ULTRÀ NO TV

Die Fans als solche, rücken (vor allem in ihrer “Funktion” als finanzielle Unterstützer) immer mehr in den Hintergrund, denn die millionenschweren Etats der Vereine werden immer weniger von Uns und den Zuschauern finanziert, denn die Fernsehgelder machen oft mehr als die hälfte davon aus.

Die Fernsehsender können schon mal den Anpfiff verzögern, wenn z.B. bei einem Live-Spiel der Schiedsrichter zeichen bekommt, das Spiel noch nicht anzupfeifen, da ein Werbeblock noch nicht beendet ist. Oder Ausfälle der Fernsehkameras bewirken verzögerungen beim Anpfiff. Wie z.B. am 1.Spieltag als beim Spiel SV Werder Bremen – FC Schalke 04 ein Stromausfall dazu führte das tausende von Fans im Stadion teilweise ohne Verpflegung über 3 Stunden Im Stadion verharren mussten. Nur weil ARD und Premiere so nicht senden konnten; auf dem Platz war es noch hell genug1. Es kann auch sein das in den Übertragungen die Werbung so lange läuft, das im Stadion schon angepfiffen wurde. Wir Fans müssen uns mit zig Mikros vor unserer Kurve anfreunden(?), die dem Fernsehzuschauer die Atmosphäre wiedergeben sollen.

Die Terminierungen der Spiele liegen mittlerweile auch fast komplett in den Händen der TV-Anstalten. Ein gutes Beispiel ist die Verlegung unseres Heimspiels gegen Arminia Bielefeld auf den 28.09.04 weil der FC Bayern mehr Einschaltquoten in der Champions League “verspricht”. Die “beliebten” Sonntagsspiele werden seit einigen Jahren auch für nicht-international aktive Vereine “benutzt”. Diese, eigentlich sinnvolle Methode die Spieler zu schonen wird auch hier wieder für gewinnbringende Zwecke missbraucht. Vor allem für Gästefans ist die Möglichkeit der Heimreise massiv eingeschränkt. So fällt die oftmals günstige Heimreise mit dem Wochenendticket weg und nicht selten dürfen viele Jugendliche ihrem Hobby nicht nachgehen weil sie am nächsten Tag zu Schule müssen… Auch unsere (Sonntags-)Spiele in Wolfsburg oder Hamburg letzte Saison sind ein katastrophales Beispiel für die Machtverhältnisse im “Produkt”(?) Fussball. Darüber hinaus wurden die beliebten Freitagabendspiele abgeschafft, da, ihr könnt es euch denken, nicht genug Zuschauer vor dem Fernseher stillschweigend konsumierten.

Die Macht der (Mainstream) Medien geht sogar so weit, das ganze Wettbewerbe abgeschafft werden, so z.B. der “Pokal der Pokalsieger” der 1999 abgeschafft wurde um den UEFA-Cup zu erweitern der besser ins Rahmenprogramm der Champions League passt. Gleichzeitig wurde dabei durch Modusänderungen jeglicher Reiz aus dem Wettbewerb genommen.

Auch der DFB-Pokal büßt bis auf das Finale sehr stark an Zuschauern ein, wie z.B. bei unserem Spiel beim FC Bayern 02/03, auf einem Mittwochabend bei dem sich nur 8.000 Zuschauer im Stadion einfanden. Was wohl auch mit an der Live-Übertragung lag.

Probleme mit dem Fernsehen kennt man aber auch im europäischen Ausland wie z.B. in Österreich, als beim Skandalspiel Admira Wacker – Rapid Wien in der Saison 03/04 das ORF mehrere Tore in ihrer Live (!) Übertragung nicht zeigte , weil das “18.00 Scheiss ORF”-Transparent der Ultras Rapid im TV zu sehen gewesen wäre. Dieses Transparent erregte sogar so viel Aufsehen das der ORF beim Verband einen Spielabbruch erwirken wollte2.

Unsere Rolle

In den Übertragungen selbst werden wir nur als bunte Masse nach Toren “verwendet” um den Konsumenten am Bildschirm die “ganze Wahrheit” in den Stadien zu zeigen. Die meistens einer perfekten Scheinwelt der Funktionäre entspricht. Zum Intro (wenn wir überhaupt zu sehen sind) werden die schönen facettenreichen Choreos und fantasievollen Sprüche gezeigt, bei Protesten jedoch, gegen diese Scheinwelt (Pro Fans, Kritisierung der Vereinspolitik) passen wir den Sendern nicht ins Konzept, so dass man manchmal den Eindruck hat wir wären gar nicht da (zumindest optisch). Dabei brauchen sie uns Fans, sie wollen unsere Stimmung, unsere Leidenschaft, unsere Emotionen. Wozu sonst werden Werbesprüche wie, “Mittendrin statt nur dabei”, entwickelt, die den Fernseh-Zuschauer emotional ansprechen sollen?

Die Fernsehsender wollen Stimmung wenn es ihnen passt und sie es in die Übertragungen einbauen können. Die große Angst von DFB/DFL und den TV-Anstalten sind stetig wachsende Ultrà-Gruppen und Fan-Szenen die singen wann sie wollen und was sie wollen. Diese nicht kontrollierbare Masse von Jugendlichen, die durch Aussagen auf Spruchbändern und Zaunfahnen oder Doppelhaltern auffallen und diese künstliche Welt zum Einsturz bringen können, werden ausgeblendet. Doch das wichtigste Element einer Masse von Fans, die Gesänge, können nicht einfach weggeschnitten werden. Wer aufmerksam beobachtet wird feststellen können das die Kommentatoren oftmals anfangen sinnloses Zeug zu erzählen wenn ihnen die Gesänge nicht gefallen. Mit allen Mitteln auf allen Ebenen kämpfen diese armseligen Kreaturen um die Aufrechterhaltung dieser künstlichen Welt, die schon viele Opfer gefordert hat. Jeder von uns kennt die scheinheiligen, unbegründeten Repressionen die oftmals in Stadionverboten enden.

Fussball für alle?!

“Willkommen im Fußballland” wird immer wieder vom DFB propagiert, auch “Premiere” wirbt mit dem Slogan “Bundesliga für alle”. Deutschland als freundliches, tolerantes, liberales Land sollte doch auch beim Fussball alle Schichten akzeptieren oder? Hinter dieser verlogenen Fassade bekommen wir Fans immer wieder mit was dies konkret heißt: Fussball für alle die ihr Maul halten, oder es erst dann öffnen wenn es gewünscht ist. Die seit eh und je bestehende Subkultur der Fußballfans die (teilweise noch immer) als Sammelbecken prolliger asozialer Randalierer gilt, soll und wurde zum Teil schon aus dem Stadion vertrieben. Ist der Fussball also Sport für alle, oder nur für die Herrschenden, samt ihrer High Society-Freunde aus Wirtschaft und Show-Business? Nebenbei sind allerdings auch ruhige zahlungskräftige Familien erwünscht, die dann eine Atmosphäre wie bei Spielen der U21 “zelebrieren”.

Wo sind wir eigentlich in diesem Plan? Genauer: Sind wir überhaupt in diesem Plan? Unsere Stehplatzkurven werden umgewandelt in “Alibi” Stehplätze wie in der “AWD-Arena”(?) zu so genannten Vario-Sitzen. Die neuen Stadien sind allenfalls “Multifunktions- Hallen” oder sterile Einkaufszentren die sich alle ziemlich ähneln. Die “arbeitende Klasse” für die wir Ultras und alle traditionellen Fans stehen, brauchen die Herrschenden nicht mehr.(Das glauben sie zumindest und haben schon einen großteil der Öffentlichkeit davon überzeugt). Ein Besucher der seine Loge für 500 Euro und mehr “mietet” legt wert auf andere Dinge als wir. Er will unterhalten werden, Champagner schlürfen und Kaviar-Häppchen genießen. Eine völlig konsumorientierte Grundhaltung also, die wir, seien wir ehrlich, gar nicht wirklich verstehen können. “Unser” Verein braucht uns und wir brauchen ihn wie die Luft zum atmen; die Kreativität, die Abwechslung, die Leidenschaft, sie sind alles fester Bestandteil. Ohne diese Aktivisten verlieren alle “Normalos” das Interesse am Sport und die Spiele bekommen “Dorfplatz-” oder “Geisterspiel-”Charakter. Nicht umsonst spricht man vom “12.Mann”.

Unsere Pflicht ist es den Verein in guten und schlechten Zeiten zu unterstützen. Quasi wie in einer “guten” Ehe. Unsere “Liebesbeweise” verschenken wir jede Woche neu und sie sind allen so gut bekannt: unsere Lieder, unsere Choreos, unsere Spruchbänder, unsere Kritik, unsere Aufkleber in den Städten, unsere täglichen Diskussionen über den Verein usw. Doch leider verschließen sich die Vereine immer mehr. So sagte unser Präsident Martin Kind nicht umsonst “In Hannover gibt es keine Fankultur”. Aber wer ist denn ein Fan? Jemand der die “Marke Hannover 96”3 die eine Woche gut findet und in der nächsten Woche sich lieber einen niveaulosen Action-Film im Kino anschaut?

Er möchte Kunden, keine Fans. Zum Glück ist er ja ein Mann von Welt, der sich mit den “Gesetzen” des “freien” Marktes gut auskennt. “Nichts ist so alt wie der Trend von gestern.” Wir, für die Fussball (leben) Leben ist, können uns das nicht gefallen lassen, denn es ist unsere Pflicht zu sagen wenn etwas falsch läuft.

Die Sender brauchen uns, höchste Zeit das DIR das klar wird!

So lange die visuellen Medien uns nur zu ihrer Eigenwerbung “benutzen”,

so lange die visuellen Medien uns zu Unrecht kriminalisieren und diskriminieren,

so lange die visuellen Medien Anstoßzeiten und Spielterminierung ohne uns bestimmen,

so lange die visuellen Medien uns oberflächlich in das Licht rücken das ihnen am besten passt,

so lange verbieten wir allen visuellen Medien das Ausstrahlen unserer Aktionen und Bilder.

Wir verbieten ihnen das filmen und ausstrahlen unserer Gesänge, Hüpfeinlagen, Pyro-Aktionen, Choreographien und ähnlichem. Unsere Kurve und unsere Aktionen gehören uns! Unser Bildrecht ist unverkäuflich, unsere Leidenschaft ist unverkäuflich.

ULTRÀ NO TV ist eine Kampfansage an alle Kaputtmacher des Fußballs! Unsere Ultrà-Bewegung will nichts mit solchen kapitalistischen Ausbeutern zu tun haben und wird jedes Fernsehteam das in unserer Kurve auftaucht, bekämpfen und verbannen! Solidarität mit allen die sich dieser künstlich geschaffenen Welt widersetzen, eine bessere (Fussball) Welt (er)schaffen wir zusammen!

Brigade Nord 1999 | 25.09.2004

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1 Stromausfall in Bremen – Betrug am Fan > http://www.ultras-ge.de/page/06_texte/texte.php?id=66

2 http://www.diekurve.org/aktionen.htm

3 Von Martin Kind oft genannte Bezeichnung von Hannover.96. Eine, für jeden Fan absolut abscheuliche Vorstellung das ein Verein eine austauschbare “Marke” wie z.b. “Miss Sixty” oder “Nike” Bekleidung sein soll. Die obendrein alle paar Monate ihr Design (vor allem die Logos) ändern, wie es der Markt gerade “will”.

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