Blickfang Ultra Saisonrückblick 2012/13

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Eine weitere Saison mit Europapokalteilnahme liegt hinter uns, aber von Euphorie sind wir aktuell so weit weg wie die Farben Blau & Gelb von Ästhetik. Und das liegt nicht am Verfehlen der erneuten Qualifikation für den internationalen Wettbewerb, sondern an der Unruhe im 96-Umfeld. Die auch unsere Gruppe hart getroffen hat.

Dabei fing die Saison mit einer sehr spaßigen Fahrt zur Pokalpartie in Reutlingen gegen den FC Nöttingen noch sehr geil an. Auch die nächste Runde wusste mit dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden zu gefallen, bei dem unsere Kurve unter anderem mit den eigenständigen, aber gut abgestimmten Pyroshows im Ober- und Unterrang glänzte.

Ansonsten bot vor allem der Europapokal einige feine Reisen und sorgte für ein paar Highlights, sei es mit Cider in Dublin, mit Pyro in Breslau oder Techno-Mukke in Enschede, in der regnerischen Kälte Helsingborgs (wo wir eine tribünenfüllende Choreo organisierten) oder unter Palmen im warmen Valencia. Oder zuletzt, mal ganz was anderes, in der eisigen Weltstadt Moskau aufzuschlagen.

Daneben gibt es leider aus Sicht unserer Gruppe über die abgelaufene Spielzeit mit Ausnahme weniger sportlicher Höhepunkte wie dem 4:0 in Wolfsburg, dem 4:2 nach 0:2 Rückstand in Stuttgart oder dem 5:1 gegen Hamburg nicht viel Positives zu berichten…

Der schwelende Konflikt mit der aktiven Fanszene, welcher sich Anhand von 12:12 auch bundesweit äußerte, sorgte von Beginn an gerade in Hannover für viel Stress. Das Pokalspiel gegen Dresden, mit ein bißchen Action in Form von letztlich unspektakulären Rennereien und natürlich der leuchtenden und qualmenden Nordkurve, sorgte dann für den ersten großen Schlag seitens der Vereinsführung rund um Martin Kind gegen die eigenen Fans und insbesondere den Ultras: Unter anderem wurden uns und den UH die Räumlichkeiten im Stadion genommen, die Info- und Verkaufsstände verboten und das Vorbereiten von Choreografien annähernd zu einem Ding der Unmöglichkeit gemacht. Nach und nach kamen da auch weitere Diffamierungen und Kriminalisierungen hinzu.
Bei vielen von uns blieben Motivation und Lust zunehmend auf der Strecke, auch anhand des anhaltenden Stimmungsboykotts und der in Hannover aktuell eh nie berauschenden Stimmung, und einzig unser Wille zu kämpfen trieb uns noch voran.

Zu Beginn der Rückrunde ging es Schlag auf Schlag weiter: Auf das lächerliche „A.C.A.B“-Verbot konterten wir umgehend mit einem eben solchen gesprühten Banner beim folgenden Heimspiel gegen Wolfsburg. Unbeachtet der üblichen Gepflogenheiten im Niedersachsenstadion, suchten die Ordner nicht die Kommunikation mit uns, sondern rissen das Stück Stoff vom Zaun um sich damit zu entfernen. Damit gewann die Sache eine drastische Eigendynamik: Drei Brigadiers sprangen in den Innenraum und holten sich das Banner zurück. Während zwei daraufhin von den Ordnern überwältigt wurden, gelang es dem dritten mit dem Banner wieder zurück in den Block zu klettern. Als daraufhin die gesamte Gruppe das Stadion verlassen und die Polizei eben das Verhindern wollte, eskalierte die Situation vollends. Die Cops sahen sich plötzlich einer aufgebrachten, attackierenden Masse von uns, UH’lern sowie diversen weiteren Fans gegenüber. Das Pulverfass 96 wurde erstmals in der Saison entzündet, und eine Menge Frust und Hass entlud sich.
Aufgrund der Aktion beim Wolfsburgspiel sowie aufgrund einer Auseinandersetzung mit der Polizei im Hauptbahnhof nach dem Auswärtspiel in Frankfurt vergrößerte sich in der Folge die Anzahl unserer Stadionverbotler drastisch. Somit wird unser jahrelanger tapferer Einzelkämpfer (der bis dahin aber auch gut von den übrigen Stadionverbotlern der Szene aufgenommen worden ist) seit Februar gleich von einer stattlichen Anzahl seiner Freunde bei der Tour durch die Kneipen der Republik begleitet.

Trotzdem ist klar: Die Brigade lebt! Und auch wenn wir nicht unsere beste Saison hatten, unser Stolz ist ungebrochen. Somit stellten wir zum Saisonabschluß auch mal wieder eine aufwendige Minichoreo zu Ehren des 300. Bundesliga-Spiels von unserem Kapitän Steven Cherundolo auf die Beine. Wir dürfen ja auch nicht aus der Übung kommen,…

…schließlich blicken voller Tatendrang auf die nächste Saison, und haben so einiges vor. Erstens wartet DAS Derby, und zweitens gilt es in der Rückrunde dann auch unser 15-jähriges Bestehen zu feiern.

Brigade Nord 99, Juni 2013

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