Auswärts beim amtierenden Meister und aktuellem Tabellenführer, bei der “Übermannschaft” des derzeitigen deutschen Fußballs. Und trotzdem fuhren nicht wenige Anhänger der Roten mit der Hoffnung auf etwas Zählbares gen Ruhrpott. Unsere Gruppe schaffte es dabei übrigens, trotz der nicht allzu großen Anzahl an Auswärtsfahrer_innen auf drei verschiedenen Wegen anzureisen. Die Spannendste Hinfahrt hatte dabei wohl die 10-köpfige Truppe welche die Regional- und S-Bahnen als Anreisevariante wählte.
Am Stadion trafen wir schließlich alle zusammen und richteten uns – mal wieder – auf einem neuen Standort im weitläufigen Gästeblock ein. Sehr nah hinterm Tor, und trotzdem war von diesem, dank diversen Gittern und Netzen, nicht allzuviel zu sehen. Davon abgesehen ist und bleibt das Westfalenstadion eines der eindrucks- und stimmungsvollsten Stadien der Liga, zumal es auch heute wieder komplett ausverkauft war. In dem Meer von schwarz-gelb wurden mit Hilfe von einer ordentlichen Anzahl an Fahnen und Doppelhaltern ein gegenläufiger Farbtupfer gesetzt. Aber damit war leider auch schon so ziemlich das Maximum an Aussenwirkung des Gästeblockes erreicht. Denn der gemeine 96er präsentierte sich, im krassen Gegensatz zum wenige Tage zuvor gespielten Auswärtssieg in Brügge, nicht sonderlich sangesfreudig. Noch dazu war die sogenannte Gelbe Wand hervorragend aufgelegt und fast über die gesamte Spielzeit klar und deutlich zu vernehmen, ab und an gar ohrenbetäubend laut. So fühlte man sich als Teil der stets um Anfeuerung unserer Mannschaft bemühten Hannoveraner doch leider über weite Strecken recht hilflos und allein gelassen.
Und das in einem derartigen Spitzenspiel. Und auch das Spiel selber wusste in der ersten Halbzeit gar nicht zu gefallen, das Beste war noch dass wir mit nur einem Tor Rückstand in die Kabine gegangen sind. Das Dortmunder Team war einfach zu gut aufgelegt und von Seiten der grünen Roten kam nicht viel. Wer demzufolge seine Hoffnung auf eine Kehrtwende in den zweiten 45 Minuten gesetzt hatte sah sich zunächst scheinbar enttäuscht, denn kurz nach Wiederanpfiff schlug es erneut hinter Zieler ein und das Spiel schien somit quasi schon gelaufen.
Allerdings ließen sich unsere Jungs davon nicht beirren und kämpften und spielten sich in die Partie, bis der gerade zuvor frisch eingewechselte Ya Konan sich mit einem Traumtor in der 60. Minute zurückmeldete und den Anschluß für uns wieder herstellte. Nun stand das Spiel plötzlich auf der Kippe, Chancen auf beiden Seiten, Nickligkeiten und Fouls und gellende Pfeiffkonzerte seitens der Dortmunder Fans prägten in der Folgezeit das Geschehen. Schade dass sich die mitgereisten Sechsundneunzig-Fans auch in dieser entscheidenden Phase nicht hochraffen konnten, mit stimmgewaltiger Anfeuerung unserer Mannschaft den Rücken zu stärken und somit vielleicht einen Beitrag zur Wende in der Partie zu bringen. So vergingen die Minuten ohne einen weiteren Treffer, bis in der Nachspielzeit noch das 3:1 für den BVB fiel. Auch wenn das Ergebnis zwar hätte anders ausfallen können, ist es dennoch, auch in dieser Höhe, eindeutig verdient gewesen. Und nichtsdestotrotz kann man mit der Mannschaftsleistung und -moral zumindest in der zweiten Spielhälfte durchaus zufrieden sein.
Weniger Zufriendenheit stellt sich ein, wenn wir den Blick auf uns selber, auf unseren Block richten. Natürlich gibt es solche und solche Tage, und es ist klar dass nicht alle Tage derartige Stimmungs-Selbstläufer sind wie unser Auftritt in Brügge. Aber enttäuschend ist es trotzdem wenn die Masse der Fans einfach nicht aus ihrer Letarghie zu reißen ist. Hoffen wir beim Heimspiel gegen Augsburg auf Besserung. Zwar ist der Gegner keiner den irgend ein Stadiongänger in Hannover als Highlight bezeichnen würde, allerdings sind nach dem entschuldbaren Durchhänger gegen Dortmund nun auch wieder Punkte gefordert, um seine komfortable Tabellensituation zu verteidigen. Und dafür seid auch ihr, liebe Leser, gefordert einen Teil durch den Support beizutragen.
