Leider nur 2 Autos unserer Gruppe machten sich auf den Weg nach München, um den Verein unseres Herzens gegen die “Übermannschaft” Bayern München zu unterstützen. Nachdem wir nach einer problemlosen Hinfahrt frühzeitig am Zielort angekommen waren, wurde die Zeit bis zum Anpfiff unter anderem damit überbrückt, sich über die (wie immer) unglaublich vielen Busse mit Bayernfans aus ganz Deutschland, die unglaublich scheiße aussehenden Bayernfans in Lederhose und immer neuester Fanshopkollektion und über die Bayernfans im allgemeinen zu amüsieren. Aber wir waren auch produktiv: Die im Gästebereich ausgelegten Werbeflyer wurden zu etwas sinnvollem weiterverarbeitet, nämlich zu Konfetti. Und weil wir nicht als einzige 96-Fans auf diese Idee gekommen waren, sah der Konfettiregen aus dem Oberrang zusammen mit den Fahnen und Doppelhaltern zum Einlaufen der Mannschaften sogar tatsächlich ganz schick aus.
In den ersten 12 Spielminuten dominierten die mitgereiseten Hannoveraner_innen die Stimmung, denn die Heimkurve befand sich im Protest, welcher mittels eines Stimmungsboykottes für 12 Minuten ausgedrückt wurde. Somit hatten wir zwar quasi leichtes Spiel, aber leider konnte das Potential der sehr zahlreich anwesenden 96er nicht ausgeschöpft werden. Dennoch stimmungstechnisch kein schlechter Start. Nach Ablauf des Boykotts legte der Heimanhang rund um die Schickeria München beachtlich los. In einer beeindruckenden Lautstärke und wohl trotzdem auch eine Nummer melodischer als in Hannover üblich, wurde versucht aufzuzeigen wer der Herr im Hause ist. Das gelang allerdings nicht wirklich, denn der Enthusiasmus war alsbald verflogen und fortan konnten wir Rote uns auch während der restlichen Spielzeit gut Gehör verschaffen, ohne dabei zu glänzen. Vor allem die Liedauswahl darf wohl kritisiert werden, gefühlt wurden nur drei Lieder immer abwechselnd vorgetragen.
Das Spiel ging leider mit 1:2 verloren, doch gerade angesichts der Spiele in München in den letzten Jahren waren wir zufrieden. Denn von Beginn an hielt unsere Mannschaft gegen gut aufgelegte und sichtlich motivierte Münchener zumindest defensiv gut dagegen, und selbst nach einem 0:2 Rückstand war kein Einbruch zu verzeichnen. Ganz im Gegenteil: Gepusht durch ein wunderschönes Fallrückziehertor von Ya Konan drängten wir sogar noch auf den Ausgleich, was die Bayernspieler dazu veranlasste auf Zeit zu Spielen, während die Bayernfans (zumindest diejenigen, welche sich nicht bereits auf den Heimweg gemacht haben um dem drohenden Verkehrsstau zu entgehen) dem Abpfiff entgegenfieberten und mit dem Schlußpfiff erleichtert in Jubel ausbrachen.
Normalerweise ist so etwas ja besonders eklig als weitgereister Gästefan. Aber wenn man sich in Erinnerung ruft, dass das Publikum des Rekordmeisters noch vor einem Jahr beim ersten Rückpass gegen 96 bei einer Führung von nur einem knappen Tor wohl seinen Unmut durch ein entrüstetes Pfeifkonzert geäußert hätte, kann man da durchaus auch zufrieden grinsen. Denn was sich geändert hat ist nicht etwa die Erwartungshaltung der erfolgsverwöhnten Bayernanhänger. Nein, es ist die Wahrnehmung von Hannover 96 als ernstzunehmender Gegner!
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