Werder Bremen – Hannover 96 // 3:0 // Weserstadion // 41.500

Europa ist für den Hannoverschen SV Fluch und Segen zugleich: Einerseits können wir mal aus dem Bundesliga-Alltag ausbrechen und neue Städte und Stadien entdecken, andererseits heißt Europa auch zwangsweise ein Haufen an Sonntagsspielen in der Liga. An diesem Sonntag sollte es zum kleinen Derby in die Freie Hansestadt Bremen gehen.
Der Weg dorthin wurde getrennt angetreten, ein Teil der Brigade schloss sich dem verrückten Riot-Mob an und machte schon früh morgens auf den Weg, um auf Umwegen Bremen zu erreichen und die Straßen der Stadt unsicher zu machen, ein Unterfangen welches besser als eigentlich erwartet klappte, und leider letztlich an der Weser doch noch im Polizeikessel endete. Der andere Teil, der mehr Wert aufs Ausschlafen legte, nahm zusammen mit der Kommando Zechgeschwader-Crew die vergleichsweise entspannte Hauptverbindung, sprich 1 ½ Stunden Fahrt im überfüllten Regionalexpress. Vor, bzw. im Stadion traf man sich rechtzeitig vor Anpfiff wieder, inklusive zehnköpfigem Support aus Heerenveen.
Der unbeschreiblich scheiße gebaute neue Gästeblock im Weserstadion war randlos überfüllt und die Ordner_innen hatten auch nichts Besseres zu tun, als uns mit pseudo-autoritären Platzzuweisungen anzunerven. Footballchaos at its Best.
So ging es entschlossen in Halbzeit eins. Die Kurve drehte auf und konnte überdurchschnittlich laut und gut koordiniert beginnen, auch das Spiel schien fest in Hand von Hannover zu sein. Jedoch bremste der erste Gegentreffer der Gastgeber die Stimmung deutlich, ein ordentliches „Vorwärts HSV“ kippte in Hass und Gepöbel. Die zweite Halbzeit startete okay, doch zwei weitere Treffer der Grün-Weißen zerstörten nicht nur unsere Siegchancen, sondern auch einen einigermaßen guten Support aus der Kurve. Es wurde Gepfiffen, Beleidigt und Gepöbelt was das Zeug hält und sämtliche rassistische Ressentiments ausgepackt, die der ottonormal-suff-Fan so zu bieten hat. Liebe Kurve, auch wenn das Team nicht die beste Leistung auf dem Platz abgibt und auch wenn uns mit dem SVW ein vorbelasteter Gegner entgegentritt: Dieses übertriebene pseudo-Rumgepisse gegen Schiri, Gegner und alles was nicht bei drei auf dem Bäumen ist hilft niemanden weiter und zerstört den Support! Die Energie sollte lieber in die Untersützung von 96 gesteckt werden, auch wenn es schwer fällt.
Die Heimkurve war akustisch wie gewohnt kaum zu vernehmen. Nicht einmal nach dem 3:0 schaffte es der SVW-Anhang sein Maul aufzukriegen. Optisch überzeugte der Ultra-Block mit durchschnittlichem Fahneneinsatz. Vor Spielbeginn hissten die Wanderers eine lachhafte “Scheiß HSV“–Fahne und die Hobby-Marxologen der Infamous Youth brachten einen Anti-Hannover Diss auf ganz hohem Niveau: Der gute alte Karl Marx kam zu Wort und teilte uns mit, dass das Hannover „zum Bersten Langweilig“ sei. Ob das vor 150 Jahren vielleicht mal so war sei dahingestellt, doch times are changing und die Bremer Fussball-Dialektik trifft eben dort an ihre Grenze, wo ein Widerspruch das Bild prägt (auch wenn es sich hierbei keinesfalls um einen materiellen handelt). Noch vor kurzer Zeit kritisierten die Bremer beim Spiel im Niedersachsenstadion die Schizophrenie der Hamburger, die erst mit BS laufen und dann mit 96 saufen würden (Hannover-Bremen Saison 2010/11), doch auf Grund neuer Entwicklungen in Ultra-Deutschland ist es wohl an der Zeit die Schizo- Fackel weiterzureichen. Nachdem sie erst von HH an den FCSP ging, dann vom SVW zurück an HH, müssen wir sie jetzt den Bremern in die Hände drücken und mitteilen: „Erst mit Hannover raven und jetzt gegen Hannoi haten – Schizophren?!“ Naja, eigentlich ist die Partygeschichte für uns gegessen und die Konsequenzen bekanntermaßen gezogen, doch es ist trotzdem bemerkenswert, dass die IY einerseits auf Peace&Harmony setzt, andererseits gegen Hannover wettert. Auch wenn wir an dieser Stelle zugeben müssen, dass das gewählte Marx-Zitat ein gelungener Ausdruck der Antipathie ist und stilvoller als ein klassisch dummes Hu-Hu-Hu-Hurensohn rüberkommt.
Nach Spielende konnte der Hannoveraner Fanmob die lästigen Bus-Transporte zum Hauptbahnhof umgehen und wir konnten mit Begleitung der Cops einen (weiteren) Marsch durch die Stadt machen und so den Heimweg antreten. Den Bremer Senat wird’s freuen. Für Hannover 96 war die Niederlage gegen Werder besonders bitter, da der SVW sich somit in der Tabelle von uns absetzten konnte und wir im Kampf um Platz 6 nun auf die Schützenhilfe der kommender Werder-Gegner angewiesen sind.
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