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Letzter Spieltag. Für Hannover eigentlich stets ein Schaulaufen, da der Klassenerhalt immer schon vergleichsweise früh
geschafft war und die Teilnahme am internationalen Fußball noch früher abgehakt war. Doch während wir letztes Jahr Bielefeld locker und entspannt in die Zweite Liga beförderten, ging es heute, fast genau ein Jahr später,
für uns selber um alles oder nichts. Ausgerechnet nach Bochum führte uns die Reise zum direkten Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt. Für uns war die Ausgangssituation denkbar leicht. Bochum weghauen und weder der VfL noch
Nürnberg würde uns dumm kommen können. Für die Heimseite sah es nicht ganz so einfach aus, da man heute auf drei Zähler ebenso angewiesen war, wie auf Versagen der Franken, die zuhause gegen die Kölner B-Elf antraten. Was
die Aussichten nicht gerade entspannter werden ließ, waren die Ankündigungen aus Bochum, dass den Gästefans keinerlei Material erlaubt werden würde und alles was über Schal und Trikot hinaus ginge am Stadiontor abgegeben werden
müsse. Die Polizei lies dazu verlauten, dass sie eine Null-Toleranz-Linie fahren werde und bei Ärger rigoros durchgreifen werde. Gerüchte von Sprengstoffhunden und Meldeauflagen machten die Runde. Einige Tage vor Anstoß
reiste dann unser Fanbeauftragter in die Blume des Reviers und konnte dort nach langem Hin und Her erreichen, dass wenigstens Trommeln, Megaphone, Banner und Fahnen erlaubt sein würden. An dieser Stelle ein Dankschön dafür an
Frank! Derweil lief die Mobilisierung in Hannover auf Hochtouren. Für Normalsterbliche schien es kaum möglich an Karten für den Showdon zu kommen und im Internet wurden stattliche dreistellige Summen für Eintrittskarten
hingeblättert. Der VfL stellte neben dem normalen Kontingent noch zusätzliche Karten für Fans aus Hannover bereit, die allesamt in kurzer Zeit vergriffen waren. Aufgeteilt auf Autos, Busse und Züge ging es am Tag der Tage
Richtung Ruhrpott. Unsereins hatte ursprünglich geplant den Sonderzug zu nutzen, da dieser normalerweise recht früh bereit gestellt wird und somit reichlich Gelegenheit besteht kostenneutral einzusteigen. Allerdings trickste
die Bahn uns diesmal ein wenig aus, da der SoZu erst kurz vor der Abfahrt einlief und somit alle Ticketlosen zwang, auf Grund der Ankündigung, dass der Zustieg nur mit Ticket möglich wäre, auf Nummer sicher zu gehen und den
normalen und coolerweise polizeifreien Regionalexpress zu nehmen, der kurz vorher abfuhr. Die Gewinnspanne der Bahn wird sich trotzdem arg in Grenzen gehalten haben. Beim Umstieg in Minden lächelten der Zugbesatzung dann
plötzlich 30 Klischee-Rostocker durch die Polizeikette entgegen. Jogger, Glatze, Air-Max olé olé. Obwohl der Zug mit Hannoveranern schon vollkommen überlastet war, pferchten die Cops, die 30(0) Spartaner („Ahhhoou!“) in den
hinteren Teil des Zuges, von wo es dann auch keinerlei Lebenszeichen mehr gab. Mit 45 Minuten Verspätung und der Erkenntnis, dass Handball-Fans noch ekeliger und besoffener sein können, als Fußballfans erreichten wir den
Bochumer Hauptbahnhof. Leider hatte sich der Haufen, der eine Stunde früher gereist war gemeinsam mit der Sonderzugbesatzung schon auf den Weg gemacht. Der Spur aus ausgebrannten Feuerwerkskörpern und Glasscherben hinterher
wurden wir ebenfalls von den Cops zum Stadion gebracht. Entgegen den Meldungen der Vorhut blieben Flaschen- und Steinwürfen von Bochumer Seite glücklicherweise aus und auch die Cops traten trotz einigen Böllern, Fackeln und
Rauchtöpfen relativ entspannt auf. Am Stadion gab es dann jedoch doppelte, aufwendige und im Endeffekt auch sinnlose Einlasskontrollen. Nachdem diese überstanden waren ging es in den viel zu überfüllten Stehblock. Neben dem
üblichen Gästesektor war dann auch tatsächlich die gesamte Hintertortribüne fest in hannoverscher Hand, zusätzlich dazu waren auch auf den Haupttribünen rote Flecken auszumachen. Gut ein Drittel des Stadions war somit mit
Gästefans gefüllt. Als Konter auf den beinahe komplett in rot gekleideten 96-Anhang gab es auf Heimseite den Versuch heute mit blau-weißen Shirts ein optisches Gegengewicht zu erzeugen, was ziemlich daneben ging. Die
West hatte im Laufe der Saison sicherlich schon Szenen mit kreativerem Liedgut beherbergt, aber da offensichtlich ein Großteil der Mitgereisten heute ihre diesjährige Auswärtsfahrtpremiere feierten, war es uns schon vorher
klar, dass es keine akustischen Meisterwerke geben wird. Trotzdem konnte stets eine gute Lautstärke und eine hohe Mitmachquote erreicht werden, obwohl die Spannung nach einem Pausenstand von 3:0 schon merklich abnahm und das
ganze irgendwann ein wenig die Atmosphäre eines Sonntagsausflugs hatte. Zu Beginn brannte und qualmte es ein wenig und auch kurz vor Abpfiff gab es noch einmal ein wenig Feuer im Gästeblock zu bestaunen. Sicherlich nicht die
coolste Optik, aber immerhin die ach so effektiven Einlasskontrollen ausgetrickst. Spielerisch hatte Sechsundneunzig es nicht allzu schwer den Bochumer Hühnerhaufen an die Wand zu spielen. Sogar Mike Hanke konnte einen
Treffer erzielen. Gegen Spielende gelang es auch das Fluchttor des Gästeblocks zu öffnen, um zu den eigenen Spielern zu gelangen, doch auch hier waren die Ordner schneller und beförderten die Fans, die es in den Innenraum
geschafft hatten flux wieder zurück auf die Tribüne. Danke hierbei an den Superhelden, Lebensretter und wahrscheinlich baldigen Bundesverdienstkreuz-Träger Oliver Pocher, der versuchte die Fans zur Rückkehr in den Gästeblock zu
überreden. Wer weiß wie viele Leben er mit seinem heldenhaften und couragierten Auftreten gerettet hat? Nach einiger Feierei mit der Mannschaft ging es für uns dann im großen Tross zurück gen Bahnhof. Der Rückweg blieb
allerdings überraschend ruhig, abgesehen von einigen, kleinen Fetzereien zwischen enttäuschten Heimfans und übermütigen Suff-Kutten. Nach kurzweiliger Rückfahrt erreichten wir zur Prime-Time die heimischen Gefilde. Einige
zog es zum Feiern ins Niedersachsenstadion, andere frönten bis zum Sonnenaufgang diversen Möglichkeiten der amüsanten Abendgestaltung.
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